Für die Schifffahrt war 1822 ein Jahr der Katastrophen. Zahlreiche Winterstürme vor den europäischen Küsten verursachten einen bisher nicht gekannten Verlust an Schiffsraum und Menschenleben. In ihrer Ausgabe vom 5. Mai 1822 beschrieb die englische Zeitung „The Courier" die dramatische Situation in aller Deutlichkeit: „Man rechnet mit 2.000 Schiffbrüchen und dem Verlust von 20.000 Menschenleben." Eine gewaltige, erschreckende Zahl, die allerdings eines verdeutlichte: Es war dringend geboten, die Risiken der Schifffahrt zu erkennen und sie beherrschbar zu machen.

Zu Beginn der Industrialisierung Europas in den frühen Jahren des 19. Jahrhunderts gab es kaum leistungsfähige, zusammenhängende Schienen- oder Straßennetze für den Güterverkehr. Mit dem steigenden Austausch von Massengütern und Rohstoffen entstand ein zunehmender Bedarf für den Gütertransport auf dem Seeweg. Doch der Transport auf See war nicht ohne Risiko. Der Verlust von Schiff, Mannschaft und Ladung war eine Gefahr, die als ständiger Begleiter über dem Transport von Handelsgütern auf dem Seeweg schwebte.

Reeder und im Seehandel engagierte Kaufleute versuchten ihr Risiko durch den Abschluss von Versicherungen zu mindern. Zwar gab es die entsprechenden Versicherer in den wichtigen Seefahrt betreibenden Nationen schon seit geraumer Zeit, doch verfügten nicht alle Versicherungsagenturen über die notwendigen Kenntnisse, um die Seetüchtigkeit und den Zustand der von ihnen versicherten Schiffe richtig zu bewerten. Es war ihnen daher kaum möglich die Schadensrisiken richtig zu kalkulieren und konkurrenzfähige Prämien festzulegen bzw. sich vor Betrug zu schützen. Als direkte Folge dieses Mangels an Fachwissen ging zwei der drei großen Versicherungsgesellschaften, die sich an dem damaligen europäischen Versicherungsstandort Paris engagierten, nach der verheerenden Serie von Schiffsunglücken bankrott.

Die Vision – Unabhängige und professionelle Information

Als Reaktion auf diese für Reeder und Versicherer gleichermaßen bedenkliche Entwicklung gründeten der Schiffsversicherer Alexandre Delehaye, der Versicherungsagent Auguste Morel und der Kaufmann Louis F. van den Broek 1828 im damals noch zum Königreich der Vereinten Niederlande gehörende Antwerpen das „Bureau de Renseignements pour les Assurances Maritimes". Es handelte sich schlicht um ein Informationsbüro für Schiffsversicherer. Die drei Männer haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Risiken, denen Reeder wie Versicherer gleichermaßen ausgesetzt waren, bewertbar und beherrschbar zu machen.

Die Ziele der neuen Gesellschaft fixierten die drei Urväter von BUREAU VERITAS in einem Gründungsdokument und kurz darauf in einem Rundschreiben: „Den Versicherern Vorzüge und Mängel der Schiffe, die die Häfen des Königreichs anlaufen, mitzuteilen und sie soweit wie möglich auf dem Laufenden zu halten über Prämien und besondere Bedingungen, zu denen die Seeversicherer an den verschiedenen Plätzen, an denen solche Geschäfte getätigt werden, Verträge abschließen, dieses ist das Ziel des Bureau de Renseignements, das wir in dieser Stadt gründen wollen."

In angemessener Höflichkeit hieß es weiter: „Die Personen, die uns die Ehre machen, von unseren Dienstleistungen Gebrauch zu machen, genießen den Vorteil, in unserem Bureau de Renseignements alle Informationen zu erhalten, die Versicherer interessieren könnten. Wir lassen es uns angelegen sein, eine detaillierte und getreue Beschreibung der Schiffe abzugeben und insbesondere den Grad des Vertrauens, den erfahrene Versicherer in sie setzen, sowie die Meinung von qualifizierten Experten mitzuteilen. Strikte Unparteilichkeit ist und wird immer Grundlage der Erteilung unserer Auskünfte sein."

Neben der Verpflichtung zu absoluter Unabhängigkeit und Überparteilichkeit verpflichteten sich die Unternehmer in ihrem Gründungsdokument zu weiteren Grundsätzen, die noch heute die Basis der Arbeit von BUREAU VERITAS bilden und aktueller denn je sind:

„Unser Unternehmen dient:
 
  • den Versicherern, indem wir sie über die Handlungsweise ihrer Konkurrenten unterrichten und sie vor allem davor bewahren, bei schlechten Schiffen für Risiken zu zeichnen;
  • den Reedern, die ihre Schiffe gut unterhalten, was ihnen bevorzugt Charter einbringt;
  • dem Handel, indem wir die Schiffe benennen, denen er den Transport seiner Reichtümer anvertrauen kann;
  • der Menschheit, indem wir dazu beitragen, die Zahl der Schiffe zu verringern, die ihre Besatzung am meisten der Gefahr aussetzen, Opfer der See zu werden."


 





1886 nahm als erster Tanker der Welt die „Glückauf" ihren Dienst auf - Klasse BUREAU VERITAS
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